Zinsen aus der Schweiz

Zinsen aus der Schweiz

Neuer Rekord bei Selbstanzeigen.

Ob in der Schweiz, in Österreich oder in Singapur, viele Deutsche legen ihr Geld im Ausland an. Das ist auch völlig in Ordnung. Aber wie hoch der Anteil der Geldanleger im Ausland ist, welche die Gewinne nicht im Heimatland versteuern, weiß niemand. Fakt ist, dass im ersten Halbjahr 2013 bereits mehr als 9.000 Selbstanzeigen bei Finanzämtern eingegangen sind. Dies ist ein neuer Rekordwert. Dazu beigetragen haben sicherlich Selbstanzeigen von Prominenten, das Scheitern eines Steuerabkommens mit der Schweiz, aber auch die politische Diskussion, das Instrument der Selbstanzeige künftig ganz abzuschaffen.

Es gibt also sehr viele deutsche Geldanleger im Ausland, die bisher ihre ausländischen Zinsen im Inland gar nicht oder falsch deklariert haben.

Beispielfall

Stellen wir uns Herrn Müller vor, der in München wohnt. Herr Müller verbringt seinen Urlaub regelmäßig in Locarno in der Schweiz. Dort besitzt er auch ein Depot, in dem er festverzinsliche Wertpapiere hält und aus diesen laufend Zinsen erzielt. Was darf nun Deutschland und was darf die Schweiz von diesen Erträgen versteuern?

Besteuerung in Deutschland ab 2009

Da Herr Müller über einen Wohnsitz im Inland verfügt, ist er in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig. Unbeschränkt bedeutet, dass der Fiskus erst einmal Alles besteuern darf, was Herr Müller verdient, ganz egal wo dieses in der Welt verdient wird. Hierzu gehören damit auch die Zinsen aus der Schweiz. Seit 2009 möchte das deutsche Finanzamt 25% Kapitalertragsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag auf diese Zinsen haben. Da das Schweizer Geldinstitut diese deutschen Steuern nicht einbehält, muss Herr Müller die Schweizer Erträge selbst in seiner Einkommensteuererklärung angeben. Die deutsche Steuer darauf wird dann nacherhoben.

Besteuerung in der Schweiz

Nachdem das Depot in der Schweiz geführt wird, will auch die Schweiz Steuern auf die Zinserträge kassieren. So erhebt die Schweiz auf Zinsen von deutschen Anlegern regelmäßig eine so genannte Quellensteuer in Höhe von 35% auf sogenannte grenzüberschreitende Zinszahlungen. Dies ist in der ZIV (Zinsinformationsverordnung) geregelt.

ZIV – die Zinsinformationsverordnung

Ab dem 01.07.2005 haben sich grundsätzlich alle EU-Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, grenzüberschreitende Zinszahlungen durch einen automatisierten Auskunftstaustausch innerhalb der EU gegenseitig mitzuteilen. Die fünf europäischen Drittstaaten (Schweiz, Andorra, Lichtenstein, Monaco und San Marino) habe sich zur Umsetzung gleichwertiger Maßnahmen verpflichtet. An Stelle des automatisierten Auskunftsaustausches wendet die Schweiz einen Quellensteuerabzug auf Zinseinkünfte der Anleger mit steuerlichem Wohnsitz in Deutschland an. Dies bedeutet, dass Schweizer Banken dem deutschen Finanzamt grundsätzlich keine Angaben über personenbezogene Daten und Kapitalerträge machen, sondern anonym 35% Quellensteuer einbehalten.

Nachdem die Schweiz 35% Quellensteuer von den Zinsen einbehält und Deutschland weitere 25% (zzgl. SolZ) erhebt, stellt sich die Frage, wie diese doppelte Steuerbelastung verhindert oder gemildert werden kann?

Vermeidung der Doppelbesteuerung

Es gibt nun zwei Möglichkeiten, diese doppelte Besteuerung zu vermeiden.

Zum einen kann man seine Schweizer Bank ermächtigen, die Daten über die Schweizer Erträge direkt an das deutsche Finanzamt zu senden. Dann muss erst gar keine Quellensteuer von der Schweizer Bank einbehalten werden. Der deutsche Anleger bekommt dann seine Erträge vollständig, ohne die Vornahme des Abzugs der 35%igen Quellensteuer ausbezahlt.

Zum anderen kann der deutsche Anleger in seiner Einkommensteuererklärung beantragen, dass die im Ausland bezahlte Quellensteuer auf seine inländische Einkommensteuer angerechnet wird. Dadurch muss das deutsche Finanzamt dem Anleger von den bereits bezahlten 35% Quellensteuer wieder einen Teil zurückzahlen, nämlich die Differenz zur deutschen Abgeltungsteuer von 25% (plus Solidaritätszuschlag). Notwendig für diese Anrechnung / Erstattung ist ein entsprechender Nachweis der Schweizer Bank über die von ihr einbehaltenen Steuern.

Vorsicht: Schweizer Verrechnungsteuer

Neben der vorgenannten Quellensteuer nach der ZIV (Zinsinformationsverordnung) gibt es noch eine weitere Steuer auf Zinserträge, welche die Schweizer Bank erheben kann: die Schweizer Verrechnungssteuer. Für bestimmte Kapitalerträge, welche nicht unter die ZIV fallen, behält die Schweizer Bank 35% der so genannten Verrechnungsteuer ein.

Auf den ersten Blick unterscheiden sich beide Steuern nur dem Namen nach. Beide betragen derzeit jeweils 35% des Kapitalertrags und beide werden von der Schweizer Bank gleich einbehalten. Doch handelt es sich hier einen ganz anderen steuerlichen Sachverhalt.

Die Quellensteuer (ZIV) auf Zinsen ist eine Steuer, die die Schweizer Bank einbehält und zum großen Anteil nach Deutschland an die Finanzbehörden überweisen muss. Diese kann als Steuer in der deutschen Einkommensteuererklärung angegeben, angerechnet oder zum Teil erstattet werden.

Die Verrechnungsteuer auf Zinserträge hingegen ist eine Schweizer Steuer auf Kapitalerträge, welche bei den Schweizer Finanzbehörden zunächst verbleibt. Sie kann hier nicht über die deutsche Einkommensteuererklärung angerechnet oder teilweise erstattet werden.

Erstattung der Verrechnungsteuer in der Schweiz

Nachdem in unserem Beispielfall Deutschland und nicht die Schweiz das Besteuerungsrecht an den Zinsen hat, wird diese Verrechnungsteuer von der Schweiz erstattet. Hierzu ist ein entsprechender Antrag bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung in Bern zu stellen. Auf der Website der Eidgenössischen Steuerverwaltung steht hierfür ein Formular R 85 zum Download bereit (www.estv.admin.ch).

Dieses Formular muss man zunächst ausgefüllt 2fach dem eigenen deutschen Finanzamt zur Bestätigung der Ansässigkeit vorlegen. Danach ist ein Exemplar bei der eidgenössischen Steuerverwaltung in Bern einzureichen und zwar spätestens innerhalb von drei Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Zinsen angefallen sind. Diese erstattet dann die Verrechnungsteuer auf Zinsen.

Nach Ablauf dieser Frist kann die Verrechnungsteuer nicht mehr erstattet werden und geht verloren. Womit wir wieder beim Ausgangsthema der Selbstanzeige wären.

Selbstanzeige und Verrechnungsteuer

Wurden die Schweizer Kapitalerträge bisher vor dem deutschen Finanzamt geheim gehalten, war es natürlich auch nicht möglich, die Erstattung der Schweizer Verrechnungsteuer zu beantragen. Denn hierzu musste eine Ansässigkeitsbescheinigung des eigenen deutschen Finanzamtes unter Angabe der Schweizer Zinsen eingeholt werden.

Werden nun die Schweizer Kapitalerträge für Altjahre dem deutschen Finanzamt nachgemeldet, wird die deutsche Besteuerung nachgeholt. Für drei Jahre zurück kann ich mir auch noch die Schweizer Verrechnungsteuer erstatten lassen, nicht aber mehr für die Jahre davor. Da die Selbstanzeige regelmäßig die Erträge der letzten 10 Jahre aufdeckt, wird die Schweizer Verrechnungsteuer für die Jahre davor nicht mehr von der Eidgenössischen Steuerverwaltung erstattet und verbleibt als zusätzlicher Steuerschaden.

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